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Mein Heimatdorf in der Gegenwart

Auszug aus dem Artikel "Mein Heimatdorf" von Hans Hacker aus dem HR

Im ersten Kapitel wird die Geschichte des Dorfes beschrieben.

 

Noch lebendiger spricht zu uns die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart. Ich will zunächst nachholen, wo eigentlich mein Heimatdorf liegt. Da, wo Brandenburg, Pommern, Westpreußen und die Provinz Posen zusammenstoßen, inmitten schönen Mischwaldes, sanfter Hügel und tiefblauer Seen liegt Hitzdorf.

Es ist im Kreise Arnswalde an der Strecke Stettin - Stargard - Posen gelegen. Der Bahnhof sollte ursprünglich unmittelbar am früheren Ausgang des Dorfes hinter der Schule angelegt werden. Die Bauern, die ihre Achterhöfe nicht auseinander reißen wollten, setzten ihre Dickköpfe durch, und so wurde der Bahnhof 2 km nach Gut Kleeberg verlegt. An dieser engstirnigen Maßnahme können jetzt die Bewohner leiden. Hitzdorf ist von 5 Seen umgeben. Das eigentliche Dorf wird von 2 Seen, dem Bukow- und dem Boviser See begrenzt. Da Hitzdorf ein Straßendorf ist, grenzen die sogenannten Achterhöfe jedes einzelnen Hofes an einen See. Die Achterhöfe sind Rasenflächen, auf denen die Wäsche gebleicht wurde. Durch die Nähe der Seen wurde schon oft eine Feuersbrunst vermieden.

An der einzigen Straße des Dorfes befinden sich die Bauernhäuser, die in der Art der ostelbischen Übergangsform erbaut sind. Einige alte strohbedeckte Fachwerkhäuser erinnern an die Vergangenheit, jedoch sind die meisten einem großen Brand zum Opfer gefallen, der die Hälfte des Dorfes in Asche legte. Die neuen Häuser lassen wenig von einem Stil erkennen. Einige sind aus Feldsteinen erbaut. Die Scheunen und Ställe sind in einem Viereck um den Hof angeordnet. Ihre Größe steht im Gegensatz zu den holsteinischen Höfen, da in den Ostgebieten weit mehr Hackfruchtbau betrieben wird. An den beiden Dorfenden liegen die beiden Schulen und eine Windmühle, die Kirche steht dagegen in der Mitte des Dorfes. Sie ist ein neugotischer Feldsteinbau. Vor dem Dorf ist nach dem ersten Weltkrieg eine Siedlung entstanden. Hier wohnen besonders die Ziegeleiarbeiter, die in der Ziegelei, dem einzigen Industrieunternehmen des Dorfes, arbeiten.

Die Bewohner unseres Dorfes waren fleißige, ausdauernde Menschen. Ihr Streben gehörte dem Bauernhof. Die Bevölkerung setzte sich aus Ganz- und Halbbauern, Kossäten, Eigentümern, Land- und Ziegeleiarbeitern und Handwerkern zusammen. Die Ganzbauern besaßen bis zu 250 Morgen Land, die Halbbauern bis zu 150, die Kossäten bis zu 100 und die Eigentümer bis zu 50 Morgen. In der Kirche wurde in der Sitzordnung darauf geachtet. Auch saßen die Männer auf der rechten, und die Frauen auf der linken Seite. Die jugendlichen und ledigen Bewohner hatten früher ihren Kirchenplatz nicht etwa unten im Kirchenschiff bei ihren Angehörigen, sondern oben auf der Empore. Erst wenn sie verheiratet waren, durften sie unten in der Kirche ihren angestammten Platz einnehmen. So war es erst ein merkwürdiges Bild, wenn auf dem Junggesellenchor neben dem Fünfzehnjährigen der Vierzigjährige saß. Auf der gegenüberliegenden Empore saßen die Arbeiter. So vergaß man selbst in der Kirche nicht, was man seinem Stande schuldig war. Nichts geht über eine althergebrachte Kirchenordnung.

Es gibt nicht nur bajuwarische und friesische Dickschädel, auch die Märker sind hartköpfig. Dafür ein Beispiel: Der Weg zum Bahnhof war in den Übergangszeiten fast ungangbar. Da entschloss sich der wohlweise Gemeinderat nach jahrelangem Verhandeln endlich zum Bau einer gepflasterten Straße an Stelle des grundlosen Lehmweges. Die Bauern mussten Hand- und Spanndienste leisten und nach Größe ihres Besitzes Pflastersteine liefern. Nur ein Bauer war damit nicht einverstanden und meinte, er hätte kein Interesse an der Angelegenheit, weil sein Land an der entgegengesetzten Seite der Dorfgemarkung läge. Er würde den Pflasterweg nie benutzen. Er hielt sein Wort. Musste er einmal zur Stadt, fuhr er andere, viel weitere Wege.

Die einheimischen Bewohner meines Heimatdorfes sprechen zu Hause bei ihrer Arbeit und im Verkehr das pommersch-brandenburgische Platt. Rau und hart und wenig wohlklingend ist diese Mundart. Sie ist so wie die Menschen, die sie sprechen.

Wenig Sitten und Gebräuche der Vorfahren haben sich bis in die Gegenwart erhalten. Der Hochzeitsbitter hoch zu Ross und bändergeschmückt ist verschwunden. Eine altbewährte Frau, die auf keiner Hochzeit fehlen darf, bittet die Gäste, zu erscheinen. Ihr ist es meistens um ein Geldgeschenk zu tun, das dabei gegeben werden muss, um nicht in den Mund der Leute zu kommen. Der Hochzeitszug bewegt sich unter dem feierlichen Klang der voranschreitenden Musikkapelle zur Kirche. Nach der Trauung erschallen lustige Lieder. An das Hochzeitsessen schließt sich der Tanz an. Den Höhepunkt bildet der Brauttanz um Mitternacht. Da bilden die unverheirateten Freunde des jungen Paares einen Kreis. Der Bräutigam tanzt mit jedem Junggesellen, die Braut mit jedem Mädchen, um Abschied zu nehmen. Ist das geschehen, wirft der junge Ehemann eine Decke über seine Frau und entführt sie. Nach einiger Zeit erscheint die Braut ohne Schleier mit einer seltsamen Haube zum Zeichen, dass sie nun in den Kreis der Frauen aufgenommen ist.

Die alten Bauerntrachten, der blaue, selbstgewebte Leinwandkittel mit den blanken Knöpfen und die schwarze Stoffmütze sind verschwunden. Ab und zu versucht ein Mädchen oder eine Frau in alter Tracht zu erscheinen. Das sieht aber nur gemacht aus und wirkt unnatürlich.

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