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Gedenken am Arnswalder Stein

„Die schönste Stadt überhaupt“

 

 

 

   
     

 

Silke Lüders, Schatzmeisterin des Heimatkreis Arnswalde und Mitglied im Redaktionsteam des Heimatgruß-Rundbrief hielt am Sonnabend, den 3. Mai 2014 anlässlich des 55. Heimattreffens in Wunstorf eine Gedenkrede. 

 

Verehrte Gäste unserer Gedenkstunde,

verehrter Herr Alt-Bürgermeister Beyer, verehrter Herr Leitner vom Stadtrat Wunstorf,

liebe Heimatfreunde, im Namen des Heimatkreises Arnswalde möchte ich Sie recht herzlich begrüßen.

 

An diesem Wochenende  begehen wir das 65. Heimattreffen des Kreises Arnswalde – bereits das 55. in der Patenstadt Wunstorf. Seit 1965 findet auch jedes Jahr diese Feierstunde hier am Arnswalder Gedenkstein statt. Für mich ein Anlass, einmal zurück zu blicken:

 

1950 war das erste Treffen in Braunschweig - am 30.Juli trafen sich rund 400 Besucher in der Gaststätte Birkholz. Pastor Haferburg aus dem ehemaligen Pfarrsprengel Schwachenwalde hielt den Gottesdienst ab.1951 folgte Bielefeld und ab 1952 fanden die Treffen in Hannover statt.

Seit dem 4.9.1959 besteht die Patenschaft zwischen Wunstorf und Arnswalde und damit ist Wunstorf 1960 zum "Gastgeber" unserer Heimattreffen geworden.

 

Mein Vater, Hannes Meyer war schon in Hannover dabei, ich selbst bin 1968 das erste Mal hier gewesen. Ich kann mich noch gut an die großen Veranstaltungen in den 60er Jahren erinnern, die ich als Kind miterlebt habe. Bei meinem ersten Besuch war es für mich nur ein überdimensionales „Kaffee trinken“. Das Treffen fand noch in den Festzelten auf dem Schützenplatz statt und meine Mutter hatte die ganze Zeit Angst, mich dort zu verlieren. So viele Gäste fanden sich hier ein. Meinen Vater habe ich zwischen Ankunft und Abfahrt meistens gar nicht gesehen. Er war ständig unterwegs, immer an anderen Tischen. Die ganze Rückfahrt über hat er mit Oma über Leute geredet, die ich gar nicht kannte. Ich habe das alles damals noch nicht verstehen können.

 

1969 war es dann schon ganz anders. Es war das große Jubiläumsjahr:

Das 20. Treffen, das 10. in Wunstorf und gleichzeitig die 700-Jahr-Feier der Stadt Arnswalde. Meine Oma, Luise Meyer geb. Hohensee  hatte mich gleich mitgenommen zum Gottesdienst in die Stiftskirche und anschließend zur Feierstunde anlässlich der 700-Jahr-Feier, die im Freien neben der Kirche abgehalten wurde. Mehrere Hundert Menschen haben daran teilgenommen. Ich habe dort zum ersten Mal das Lied "Märkische Heide" gehört. Oma und die Tanten kannten natürlich den Text, ich kannte noch nicht einmal die Melodie. Anschließend haben wir eine Ausstellung besucht. Dort gab es viele Bilder, die ich zum Teil aus Omas Wohnzimmer kannte und von nun an war ich fest davon überzeugt, dass Arnswalde die schönste Stadt überhaupt war. Oma hat mir dann die Bücher  "Als Arnswalde brannte" und  "700 Jahre Stadt Arnswalde " gekauft. Letzteres war übrigens schon während des Treffens restlos vergriffen und es musste sofort eine zweite Auflage gedruckt werden, so groß war die Nachfrage. Ich hatte Glück und habe ein Exemplar der ersten Stunde bis heute im Bücherregal. Als Kind war das Treffen in Wunstorf für mich immer eine große Familienfeier: Wir waren mit unheimlich vielen Leuten verwandt, ich musste sowieso auch zu wildfremden Menschen "Onkel“ und „Tante" sagen und seltsamer Weise kannte mich dort jeder: Du bist doch die Tochter von Hannes Meyer! So hörte ich es immer wieder. Ich habe mich mit meinen Büchern an den Tisch für Hitzdorf und Kleeberg gesetzt und sofort angefangen zu lesen, und somit ist der Rest der zweiten Kaffeeveranstaltung fast komplett an mir vorbei gegangen. Aber nur "fast". Mein Interesse war geweckt. Ich hatte mir die Ortsnamen von den Nachbartischen gemerkt und von denen der Verwandtschaft. Als wir wieder zurück waren, habe ich mit Oma über die Ortsnamen gesprochen, wir haben die Dörfer auf der Kreiskarte gesucht und Oma hat dazu erzählt. Sie hatte ja in vielen Orten Bekannte und Verwandtschaft. Ich habe Oma in Zukunft viele Fragen gestellt. Sie hat aber immer nur aus ihrer Kindheit in Arnswalde oder vom Leben auf dem Hof erzählt - bis Weihnachten 1944.  Dann war Schluss. Etliche Fragen hat sie gar nicht beantwortet, sondern einfach über andere Erlebnisse gesprochen. Ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich das verstanden habe. Im Nachhinein bin ich natürlich dankbar für alles, was sie mir erzählt hat. Es ist mit Sicherheit der Grundstein für das, was ich heute mache - jetzt hier stehen und die Rede am Arnswalder Gedenkstein in Wunstorf halten, meine Mitarbeit am Rundbrief und im Heimatkreis. Für mein Interesse am Kreis Arnswalde und ganz speziell an Hitzdorf. Für die innere Verbundenheit mit Ihrer Heimat, mit der Heimat meiner Familie - mit Zuhause. Denn ein anderes Wort als ZUHAUSE hat es in meiner Familie für Hitzdorf nie gegeben und für mich natürlich auch nicht. Man kann und muss es nicht erklären - man fühlt es. Wie so vieles andere auch: Die Zusammengehörigkeit, über die ich nach unserer letzten Busreise geschrieben habe, die Wiedersehensfreude, die Wehmut, wenn wir vor jeder Abreise noch einmal zum Abschied über den See meines Opas, Helmut Meyer blicken und die Freude über neue Daten oder Fotos von Hitzdorfern, die meine Internetseite immer ein kleines Stück weiter voran bringen oder über das wachsende Interesse unserer Generation. Auch die Freude, wenn wir sehen, dass das Haus meiner Großeltern in Hitzdorf in einem gepflegten Zustand ist, dass die Kirche ein neues Dach bekommen hat oder dass wieder ein Haus renoviert wird. Das Alles könnte mir doch eigentlich egal sein. Ist es aber nicht! Es zeigt doch, dass die Menschen, die heute dort leben, etwas leisten, um die Heimat zu erhalten. Die Orte, die Gebäude, die Natur - all das, was für Jahrhunderte die Heimat unserer Vorfahren und, liebe Gäste aus dem Kreis Arnswalde, bis 1945 Ihre Heimat war.

 

Das war ja nicht immer so. Als wir 1978 zum ersten Mal in Hitzdorf waren, sah es sehr traurig dort aus. Und es war für meinen Vater und seine Cousinen bestimmt kein schöner Anblick. Ganz im Gegenteil. Und als ich dann zum ersten Mal in Arnswalde war, da war ich bitter enttäuscht. Das war gar nicht Omas Arnswalde, nicht mehr das schmucke, idyllische Städtchen, das ich von Bildern und Ansichtskarten kannte. Nichts war so, wie ich es mir in meiner Fantasie ausgemalt hatte. Das war nicht die wunderschöne Stadt am See, mit Geschäften und Konditoreien, mit der mächtigen Kirche und dem großen Marktplatz. Alles war grau und düster und kaputt. Da wollte ich nie wieder hin. Inzwischen hat sich aber viel getan. Arnswalde ist auf dem besten Weg, wieder eine schöne Stadt zu werden, die man gern besucht und in der es viele reizvolle Ecken zu erkunden gibt. Und was ich hier für Hitzdorf und Arnswalde beschreibe, gilt natürlich auch für die meisten anderen Städte und Dörfer im Heimatkreis.

 

Doch zurück zu unseren Treffen hier in Wunstorf. In den 70er Jahren wurden die Treffen dann in der Albert-Schweitzer-Schule durchgeführt, in den letzten Jahren, nachdem es immer weniger Teilnehmer wurden, im Calenberger Bauernstübchen. Seit dem vergangenen Jahr treffen wir uns in der Alten Abtei und haben somit die Möglichkeit, auch noch einmal ohne große Umstände in die Heimatstube zu gehen und im Archiv zu stöbern. In der ganzen Zeit - über 55 Jahre - wurden wir von der Stadt Wunstorf unterstützt. An dieser Stelle noch einmal ein ausdrückliches "Danke schön" dafür. Die Unterstützung durch die Stadt Wunstorf hatte früher ja ganz andere Dimensionen als heute. Es gab Zeiten, in denen mehr als 2000 Menschen am Treffen teilgenommen haben. Es wurden nicht nur entsprechende Räumlichkeiten benötigt, es musste für Bewirtung gesorgt werden, auch Parkplätze, Busse für den Pendelverkehr zum Bahnhof und vor allem Unterkünfte wurden in großer Anzahl gebraucht. Die Zahl der Fremdenzimmer war begrenzt und so haben viele Familien in ihre privaten Wohnungen fremde Menschen aufgenommen, um ihnen die Teilnahme an diesen Treffen zu ermöglichen. Es war eine Patenschaft, die nicht nur von der Stadt gepflegt, sondern die von der ganzen Bevölkerung mitgetragen wurde. Als die Treffen in der Schule stattfanden, wurden in den Turnhallen reihenweise Feldbetten aufgestellt, um günstige Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat damals sogar die Bundeswehr vom Fliegerhorst Wunstorf ausgeholfen. Natürlich wurde auch für mehrere Hundert Leute Frühstück organisiert. Die Stadt Wunstorf hat das alles geplant und auch finanziell unterstützt, aber ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre es nie möglich gewesen. Die uneigennützige Hilfe der Wunstorfer hat vielen Besuchern überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen, an diesen Treffen teilnehmen zu können. Denn für viele waren schon die Reisekosten eine große finanzielle Belastung. Eine Unterkunft in einem Hotel wäre gar nicht bezahlbar gewesen. Schließlich kamen damals ja oft ganze Familien, nicht nur einzelne Personen. Und darum möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei der Stadt Wunstorf, bei ihren Einwohnern, bei den unzähligen stillen und oftmals unbekannten Helfern für all die vielen unvergessenen Stunden bedanken, die wir alle hier im Rahmen der Heimattreffen erleben durften.

 

Doch nach dem großen Aufschwung, den die Treffen nach der Wende noch einmal erlebt haben, ging die Teilnehmerzahl dann stetig zurück. 2009 gab es schon die Ankündigung, dass das 60. Treffen das letzte gewesen sein sollte. Nun sind noch einmal fünf weitere Heimattreffen hinzugekommen und wir freuen uns, dass Sie alle auch in diesem Jahr wieder gekommen sind. Viele von Ihnen trotz der Gewissheit, dass aus Ihren Heimatorten vermutlich außer Ihnen selbst niemand mehr dabei sein wird. Aber in der Hoffnung, einige Stunden mit Menschen zu verbringen, die die Erinnerung an die Heimat und die Verbundenheit mit ihr teilen. Die so denken und fühlen wie Sie, wenn von ZUHAUSE die Rede ist. Wir freuen uns, dass Sie diese Gelegenheit nutzen. Ihre Erzählungen bringen uns und unsere Generation der alten Heimat näher. Sie helfen uns, das fortzusetzen, was Sie nach dem Krieg begonnen haben: Die Erinnerung an die Geschichte und die Traditionen der deutschen Bevölkerung jenseits der Oder zu bewahren. Es darf nicht vergessen werden, dass der Kreis Arnswalde für viele Jahrhunderte die Heimat unserer Familien war.

 

 

Volker Thielke und Silke Lüders während der Gedenkfeier am Arnswalder Stein.

 

 

 

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