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Fischerei Helmut Meyer

 

Helmut Meyer hat im Krieg nicht nur seinen eigenen See abgefischt, sondern regelmäßig auch

-    den Schönfelder See vor Alt Klücken

-    den Bukow-See für Heyn

-    den Klön-See für Heyn

-    Sauermann´s See

-    den Roskatensee

-    3 Seen bei Kühnemühle

 

 

Beim Fischen haben mehrere Männer aus dem Dorf geholfen. Im Winter waren es meistens die Arbeiter aus der Ziegelei, weil dort im Winter nicht gearbeitet wurde. In den anderen Monaten hat man versucht, die Termine nach Feierabend oder auf das Wochenende zu legen.

Karl Hildebrandt, Wilhelm Fischer, Wilhelm Rohleder (von Kleeberg) und Richard Schalow waren regelmäßig beim Fischen dabei, und dann auch die Jungs Herbert Luckow, Richard Stollfuß und Helmut Schmidt, als sie alt genug waren.

 

 

v.r.: Helmut, Richard Stollfuß, Gustav Hinz, Hermann Mörke, ?

 

 

 

v.l.:Fritz, Herr Lubs, Hannes, Helmut und Wilhelm Fischer

                                                                 

 

Während des Krieges wollte man Helmut dann die Fischerei wegnehmen, weil er ja keine Fischerlehre hatte. Er hatte Landwirtschaft gelernt. Darum sollte Hannes bei von Brandt in Lauchstädt eine Fischerlehre machen, die er dort am 1.4.1944 auch angefangen hat. Nach Abschluss der Lehre sollte er dann den See und die Fischerei übernehmen. Der Fischer Köhler aus Kranzin wollte unbedingt Helmut´s See pachten und hatte sich mit den Nazis vom Amt auch schon geeinigt. Es wäre ihm eine Genugtuung gewesen, wenn er Helmut auf diese Weise hätte schädigen können. Er war nämlich böse auf Helmut, weil Krause aus Kranzin seinen See, das war der Schönfelder See vor Alt Klücken, von Helmut abfischen ließ und nicht von ihm.

 

 

 Fischereischein von Helmut Meyer aus dem Jahr 1941

 

Aber Helmut hat vorübergehend  den See offiziell an Fischer Hartwig aus Schwachenwalde verpachtet und ihn selbst weiter bewirtschaftet. Mit Fischer  Hartwig bestand schon lange eine gute Zusammenarbeit. Er hatte den See in Schwachenwalde und brauchte dringend neuen Krebsbesatz, weil seine ganzen Krebse der Krebspest zum Opfer gefallen waren. Die waren schwer zu kriegen, weil eigentlich jeder dieses Geschäft selbst machen wollte, anstatt die Konkurrenz zu unterstützen. Helmut hat ihm aber geholfen und ihm Krebse verkauft.

Helmut Hartwig, der Sohn vom Fischer aus Schwachenwalde, war so alt wie Hannes und hat nach dem Krieg die ganzen Toten aus dem Dorf beerdigen müssen. Im Novenber 1945 hat er dann selbst Typhus bekommen und ist daran verstorben.

Obwohl Helmut den See verpachten musste und eigentlich nicht selbst bewirtschaften durfte, musste er aber trotzdem sein Ablieferungssoll  erfüllen und jede Woche das Gefangenenlager in Woldenberg beliefern. Die Fische hierfür haben sie oft in Kühnemühle und Roskatenwerder gefangen.

 


Gut Kühnemühle

 

Zwei Kähne und die Netze wurden auf zwei Wagen geladen, und Hannes ist dann mit Paul Lück zum Gut nach Roskatenwerder gefahren. Paul hat nur abgeladen und ist wieder zurück, die Pferde wurden ja auf dem Hof gebraucht. Die erforderlichen Männer wurden von den Gütern gestellt. Hannes ist für ein bis zwei Nächte dort geblieben. Er hat bei Familie Tabbert im Verwalterhaus in Roskatenwerder gewohnt. Von dort ging es dann zu den drei kleineren Seen vom Gut Kühnemühle. Die beiden Güter haben die Seen nicht erwerbsmäßig genutzt, es wurde nur zum Eigenbedarf gefischt. Da auch sehr viel Weißfische dabei waren, konnte Helmut Meyer den überzähligen Fang behalten und damit sein Ablieferungssoll erfüllen. So wurden die Edelfische im eigenen See geschont.

Wenn alle Seen abgefischt waren, hat Hannes die Lieferung für das Gefangenenlager verladen und nach Woldenberg gebracht.

 

 

 

   

der See von Roskaten

(Ansichtskarte von Jochen Ullrich)

 

das Inspektorhaus

 

 

 

Der Wachmann vom Lager, der die Lieferung annahm, fuhr am Wochenende mit dem Zug über Kleeberg nach Arnswalde. Hannes musste dann immer mit frischen Fischen für ihn am Bahnhof stehen. Er hat Hannes immer Flossenfritz genannt.

 

 

Wenn das Eis auf dem See 8 bis 10 cm dick war, wurde das Reet geschnitten. Dafür gab es Schieber, die vorne ein festes Messer eingebaut hatten. Die schob man dann vor sich her. So wurde die gesamte Fläche abgemäht. Dann wurde sortiert und gebündelt. Die Bunde wurden mit dem Pferdeschlitten über das Eis gebracht und am Ufer in Hocken aufgestellt. Meistens wurde die gesamte Ernte verkauft, denn auf dem Hof gab es nur noch eine Reetdachscheune, ansonsten waren überall Hartdächer.

 

 

 

 

Fritz, Hannes, Helmut & Luise vor der reetgedeckten Scheune

 

In der Zeit wurden dann auch die Eisblöcke für die Eiskeller geschlagen. Viele aus der Umgebung haben von den beiden Hitzdorfer Seen ihr Eis geholt. Die Blöcke wurden in den Kellern dick mit Sägespäne eingepackt, so hat sich das Eis lange gehalten. Das Eis für Gut Kleeberg wurde immer vom Boviser See geholt.

 

 

Eiskeller Gut Kleeberg

 

Die Fischerkähne waren alles große, stabile Lastkähne. Sie wurden im Winter auch zum Holztransport auf dem See eingesetzt. Entweder, wenn das Ufer zum Arbeiten zu steil war, oder wenn das Eis nicht stabil genug war, dann hat man mit dem Abtransport bis nach der Eisschmelze gewartet. Den letzten Kahn hat der Tischler Eduard Meyer gebaut. Er wollte den Auftrag eigentlich gar nicht annehmen, aber Helmut hat ihn immer wieder angesprochen. Er musste dann beim Bau helfen und nach seinen Aussagen war es der beste Kahn, den er jemals hatte. Ein Kahn ist im See bei Kranzin versenkt, und ein weiterer im Plagsee zwischen Plagow und Augustwalde. Das haben Helmut und Hannes noch vor Weihnachten 1944 erledigt.

 

 

 

 

             Mädchen, Luise und Helmut, Hannes und Fritz im Wasser

 

 

 

 

 

 

Eisfischen

Im Winter, wenn der See zugefroren war, wurde unter dem Eis gefischt. Dazu musste das Eis aber mindestens eine Stärke von 50 cm haben.

Die Löcher, die man dafür brauchte, wurden schon am Tag vorher aufgeschlagen. Dabei musste das Eisstück möglichst heil bleiben, denn es

wurde dann als Markierung neben das Loch gelegt. Gefischt wurde nur bei Null Grad und eben darüber, weil sonst die Netze beim Frost

zerbrechen würden. Dafür wurden sehr viele Leute gebraucht, vor allem für das Schlagen der Löcher. Das waren dann meistens Arbeiter von

der Ziegelei, weil dort im Winter nicht gearbeitet wurde.

Eisfischen wurde eigentlich nur zu Hause im eigenen See gemacht. Der Verkauf von Fischen erfolgte an große Kunden, es wurden nur

Mengen von 50 bis 75 Kilo abgegeben. Natürlich wurden auch die Nachbarn beliefert.

Es wurde ein großes Loch ins Eis gehauen, durch das Tannenstangen ins Wasser gebracht wurden. An den Tannen waren die Leinen der Netze

befestigt. Sie wurden unter dem Eis von einem Loch zum nächsten geschoben. An jeder Seite ging ein Schlitten mit Winde voraus, an der die Enden

der Leine befestigt waren. Beidseitig waren Löcher im Abstand von 6 bis 8 Metern im Eis, 80 bis 100 cm breit. Dort wurden die Leinen hoch

geholt, liefen dann über Querstangen und wurden mit den Winden unter dem Eis durch gezogen. Die Schlitten wurden mit speziellen Eishaken in

den Löchern verkeilt. So hat man sich bis zum großen Loch am Ende vorgearbeitet. Dort wurde das Netz von Hand rausgezogen.

 

 

 

 

Die langen Tannenstangen

 

 

 

       

Schlitten mit Motorwinden,

früher waren es Handwinden!

 

Transportschlitten

Im Hintergrund auf dem See sind die Markierungen für die Löcher zu sehen.

 

Schlitten und Netze vor dem Fischerhaus

 

 

Am Ende wird das Netz von Hand aus dem Wasser gezogen.

Rechts der Schlitten mit Winde, davor die langen Stangen.

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