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Noch mehr aus  Hitzdorf

 

von Silke Lüders nach Erzählungen von Hannes Meyer

 

 

Die Jagd in Hitzdorf

Mit der Jagd gab es immer wieder Ärger im Dorf. Nachdem Rudolf Haseleu und Max Kramp aus Kleeberg die Jagd 1924 als Gegenleistung für die Stiftung des Kriegerdenkmals erhalten hatten, wurde erst einmal fast alles Wild ausgerottet. Fritz Konrad und Gustav Schulz haben ein Übriges im Revier um die Bauernfichten getan. Rehe gab es so gut wie gar nicht mehr. Da gingen die Herren dann dazu über, sich an die Grenzen der Nachbarreviere zu machen und dort zu jagen. Als erstes gab es Ärger mit Helmut Heyn. Die Familie hatte auf Grund der Hofgröße eine eigene Jagd, und Helmut Heyn wurde böse, wenn man ihm das Wild direkt auf der Grenze zur Kippspitze oder sogar noch auf seiner Seite  abschoss. Zumal die Herren bei ihren grenznahen Abschüssen ja auch noch häufig daneben schossen, und dann zu feige oder zu faul waren, das angeschossene Wild nachzusuchen. Aber wenn das verendete Wild gefunden wurde, konnten die gut ausgebildeten Jagdhunde die Fährten nachsuchen und dann war auch ganz schnell klar, wo der Schuss gefallen war.

Von der Försterei Wicht, zu deren Revier u.a. Augustwalde, der Kössin See und die Pieper Wiesen gehörten, kamen die gleichen Beschwerden.

 

 

Kössin See bei Plagow

 

Da verlegten sie ihre Aktivitäten an die Grenze zu Seeberg. Und die Jagd von Richardshof und Seeberg hatte nun mal der Major Hans Boenke als Eigenjagd. Und dabei haben sie sich übernommen. Nachdem auch seine Beschwerden nicht beachtet wurden, hat er die Angelegenheit an höherer Stelle klären lassen.

Die Räuberei hatte sofort ein Ende.

Danach hat Helmut Meyer dann die Jagd gepachtet. Sie wurde ihm aber schon bald weggenommen, weil unter seinen Jagdgästen auch Juden aus Berlin waren. Es waren Landhändler, mit denen er zusammen gearbeitet hat. Diese Zusammenarbeit wurde ihm verboten. Und die Genossenschaft, zu der er wechseln sollte, hat ihn bei der Abrechnung betrogen. Da Helmut aber ganz genau Buch geführt hat, konnte er diesen Betrug vor Gericht beweisen und hat den Prozess gewonnen. Er hat sich dann eine andere Genossenschaft gesucht. Bei dem Prozess ist damals auch rausgekommen, dass mehrere Bauern betrogen worden waren.

Als nächstes hat Hermann Erdmann die Jagd für Helmut gepachtet. Er durfte dafür natürlich auch jagen, aber erst musste sich der Wildbestand erholen. Vor Haseleu und Kramp hatte es einen guten Bestand an Reh-, Dam- und Schwarzwild im Gebiet zwischen Pössing und Pieperwiesen gegeben.

Hermann Erdmann hat dann auch andere schießen lassen, allerdings sollten sie das Wild bei ihm abliefern. Herr Mau ging dann scheinheilig mit einem Hasen in die Kneipe, gab ihn Erdmann und trank sein Bier. Ewald Schröder (war damals noch Schuljunge) ist in der Zwischenzeit mit seinem kleinen Hund da vorbei gekommen und der hat hinter einem Gebüsch am Zaun zwei tote Hasen gefunden. Die hatte Mau dort versteckt, um sie mit nach Hause zu nehmen. Nun kam Ewald in die Kneipe und berichtete stolz von seinem Fund. Er konnte den Hintergrund ja nicht ahnen. Damit war die Jagderlaubnis für Herrn Mau dahin.

Dann gab es noch Herrn Kopplin aus Berlin, der hatte gute Verbindungen zu einem Zigarrenhändler und zu einem Tuchfabrikanten. Er war mit Gerlach und Schalow verwandt und wollte auch gern auf die Jagd gehen. Es ging auch eine längere Zeit ganz gut, dann kam er ausgerechnet bei Helmut Meyer mit einem Reh auf den Hof, um es dort zu zerlegen und anschließend sollte es zur Bahn gebracht werden. Er wusste nicht, dass Helmut der Geldgeber war, der die Jagdpacht bezahlte.

Er kannte Helmut von Tauschgeschäften, denn er wollte immer Fische und Krebse haben. Aus dieser Zeit gab es bei Helmut im Haus jede Menge Zigarren, sie waren kistenweise auf einem Schrank gestapelt. Und auch viele Stoffballen, einige haben sie noch unter einem großen Tisch eingenagelt, bevor die Russen gekommen sind.

 

Herr Wellsand aus dem Dorf hat immer Füchse und Marder gefangen. Die Jagdpächter waren sehr froh, wenn dieses Raubzeug weg war, und Wellsand hatte einen guten Nebenverdienst, denn die Felle wurden damals teuer bezahlt. Die Fischotter hat Helmut meistens selbst gefangen. Es gab ca. 100 RM für ein Fell. Die Otter mussten aber als erstes zum Apotheker nach Arnswalde, der hat die Drüsen entnommen. Dafür gab es noch mehr Geld als für das Fell. Es wurden mindestens zwei Otter im Jahr gefangen, manchmal auch noch mehr.

 

Fischerei

Emil Heyn und Helmut Meyer waren befreundet, was den Parteileuten gar nicht gefiel. Sie wollten lieber eine Konkurrenz unter ihnen, weil man an die Seen ran wollte.

Emil Heyn kam jedes Jahr am Gründonnerstag zu Helmut Meyer zum Abrechnen. Er nutzte die Deckbullen von Helmut, und die Fischerei wurde auch abgerechnet. Er forderte Luise immer auf, eine Röhre voll Bratäpfel zu machen, denn sie hatte zu der Zeit immer noch sehr gute Äpfel. Dazu tranken die beiden Männer Weingrog und redeten fast die ganze Nacht. Kurz vor seinem Tod war Emil auch noch beim Schmied und bei Helmut zum Bezahlen gewesen, ist dann von Helmut nach Hause gegangen und dort gestorben. Das war 1942, noch vor Erna´s Hochzeit.

Als Helmut Heyn zum Militär musste, da wollten einige gern seine Jagd pachten, aber er hatte verfügt, dass nur Helmut Meyer dort schießen durfte. Helmut sollte dann auch Familie Heyn mit Wild versorgen, denn bei ihm war man sich sicher, dass er sie nicht betrügen würde.

Er hatte ja auch die Fischerei für Heyn´s Seen übernommen, was man ihm aber verbieten wollte. Auch da gab es Leute im Dorf, die sie gern gepachtet hätten, weil der Fischbesatz ja nicht kontrollierbar war.

Es hat natürlich wieder Streit im Dorf darum gegeben, und die Parteifuzzis wollten sich stark machen, weil Helmut Heyn ja nicht zu Hause war. Da hat sich dann aber Herr Blühdorn vom Gut Granow eingeschaltet, der sehr gute Beziehungen zum Reichsnährstand hatte. Er hat den Herren dort versichert, dass die Erfüllung der Ablieferungsvorgaben gefährdet wird, wenn man an den Absprachen der beiden Familien rüttelt. Blühdorn hatte dabei aber auch seine eigenen Interessen im Auge: der Boviser See und der Klöhn waren die einzigen Seen im weiten Umkreis, die einen guten Krebsbesatz hatten, und seine Versorgung mit Krebsen hing somit direkt von Helmut Meyer und Helmut Heyn ab.

Herr Blühdorn, dem neben Granow auch das Gut in Reichenbach gehörte, war ein guter Freund von Helmut, sie haben sich auch geduzt. Helmut war immer in Granow zur Jagd eingeladen. Als er nach seinen beiden Krankenhausaufenthalten absagen musste, weil er nicht laufen konnte, hat Herr Blühdorn ihn abholen und mit einem Kutschwagen ins Gelände fahren lassen.

Auf Reichenbach kam regelmäßig Hermann Göhring zur Jagd.  Dann gab es zum Abendessen auch immer Krebse. Es wurden jedes Mal vier Schock (das sind 240 Stück) bei Helmut bestellt. Oft wurden sie von einem Fahrer abgeholt, aber am liebsten hat Hannes sie hingebracht, weil es 20 RM Trinkgeld gab. Das war damals ein Vermögen!

In den letzen Jahren von Emil Heyn hat Helmut Meyer auch die jungen Pferde für ihn mit eingefahren.

Emil war zu alt dafür. Einmal hat Hannes ihn auf der Straße getroffen, mit seinen Pferden Lotte und Max am Strick (das waren ein Schweißfuchs und ein Rotschimmel), die er zur Weide bringen wollte. Emil ging mit seinem Stock in der Hand bis zum Schulzenland und hat immer nur gesagt “Komm Lotte, komm Max“, und sich gar nicht umgedreht. Die Pferde waren nämlich schon bei der Schmiede stehen geblieben, ohne dass er es bemerkt hatte.

 

Friedhöfe

Der deutsche Friedhof in Hitzdorf liegt zwischen der LPG und dem jetzigen polnischen Friedhof. Den alten Zugang gibt es nicht mehr, man muss über den polnischen Friedhof gehen. Dabei kommt man an den Gräbern von Elli Meier´s Geschwistern vorbei. Auf dem deutschen Friedhof stehen noch ein paar alte Bäume, das ist alles.

1978 waren noch einige Gräber erhalten. Es standen noch etliche der Schmiedeeisenzäune um die Familiengrabstätten, und es waren auch noch vereinzelte Grabplatten vorhanden. Aber es war alles schon sehr verwahrlost. Leider waren die Lichtverhältnisse unter den Bäumen so schlecht, dass man nicht fotografieren konnte.

Meine Urgroßeltern Friedrich und Therese Meyer wurden dort begraben. Ihr Grab war allerdings 1978 auch schon zerstört.

Der alte deutsche Friedhof war an der Auffahrt zur Trift, man kam auch über eine Treppe von Hacker´s Grundstück aus dort hin. Auch dort gibt es nur noch ein paar alte Bäume.

Dort wurden Christian und Christiane Meyer begraben. Luise Meyer hat ihre Gräber bis 1945 noch gepflegt.

Früher mussten die Kinder dahin gehen, weil dort die Maulbeerbäume standen, deren Blätter sie als Futter für die Seidenraupenzucht der Schule pflücken mussten. 

 

Friedrich Meyer war über 30 Jahre Bürgermeister in Hitzdorf. Er hat in dieser Zeit auf sein Bürgermeistergeld verzichtet, weil die Gemeinde nicht viel Geld hatte. Dafür hat er als Abfindung von der Gemeinde zwei Morgen Land am Kössin See bekommen. Dieses Stück war lang, aber sehr schmal, nur 6 Drillspuren breit, also ungefähr 12 Meter. Man konnte nicht einmal mit dem Gespann drehen. Dieses Land wurde dann an Fritz Dräger verpachtet, weil es auch zu weit vom Hof entfernt war. Später hat Greffenius die Pacht übernommen. Außerdem hatte Friedrich Meyer das Vorrecht bei der Verpachtung des Landes in der Ehrenwiese erhalten. Es gehörte zum Forst Marienwalde. Damals wollten auch die Bauern aus den anderen Dörfern gern das Land pachten. Friedrich, und später auch Helmut, haben aber von ihrem Vorrecht Gebrauch gemacht und es für sich reserviert. Da es aber ebenfalls zu weit weg war vom Hof, haben sie es an die anderen Bauern im Dorf vergeben. Pächter waren unter anderem Herder, Quade und Greffenius.

 

Sophienhof

Sophienhof gehörte, genau wie das Gut in Kranzin, der Familie Glahn. Zum Kranziner Gut gehörte auch der Hof-See. Kranzin lebte von Sophienhof, dort war Herr Schaeffer der Verwalter. Er hat häufig Fohlen bei Helmut Meyer gekauft, wollte immer Pferde mit viel Schritt.

Besonders die Fohlen von Liese, ein etwas leichteres Arbeitspferd (Ermländer Warmblutstute aus Ostpreußen) mit viel Raumgriff, wollte er jedes Jahr haben. Helmut Meyer hat auch häufig den Teil seiner jungen Pferde, die nicht ins Warthegau gingen, nach Sophienhof auf die Sommerweide gegeben. Aber das war noch vor dem Krieg.

Am 9. Mai hat Herr Schaeffer jedes Jahr eine große Menge Krebse bei Helmut bestellt – es war sein Geburtstag.

 

 

 

   

Sophienhof - Gutshaus

 

Gutshof

 

 

Auf Sophienhof war auch der erste Halt auf der Flucht vom ersten Kuhtransport. Während es an der Warthe vor Landsberg zu längeren Liegezeiten kam, weil Flöße zum Überqueren gebaut werden mussten, durften die Frauen nach Hause. Dazu gehörten damals Gerda Gerlach, Traute Ferner und Frau Baumann. Als die sich auf den Heimweg nach Hitzdorf machten, sind die Jungs getürmt. Außer Hannes waren noch Fritz Rehwinkel, Helmut Schmidt, Siegfried Höhn, Gustav Kuhl, Willi Venzke und Heinz Sankat dabei. An andere kann Hannes sich nicht mehr genau erinnern. Sie haben die Frauen unterwegs getroffen und sind gemeinsam bis Sophienhof. Dort haben sie die erste längere Pause zum Ausruhen gemacht. Hannes kannte sich durch die Kontakte seines Vaters zu Schaeffer dort einigermaßen aus, konnte auch etwas Verpflegung organisieren.

Dann sind sie weiter nach Hitzdorf. Aber sie waren nicht lange “zu Hause“, die Russen haben sie alle bald wieder auf die nächsten Transporte geschickt.

 

 

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