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Helmut, Hannes und die Partei

Dieser Bericht wurde nach Erzählungen meiner Oma Luise Meyer und meines Vaters Johannes Meyer aus Hitzdorf geschrieben.

Travenbrück, im Juni 2010   Silke Lüders

 

Die Sympathie für die Herren von der Partei hielt sich in der Familie Meyer in Grenzen. Helmut war Soldat des deutschen Kaisers gewesen, und hatte für den kleinen Gefreiten aus Österreich nicht viel übrig. Das hat jedenfalls Luise Meyer immer so erzählt.

Irgendwann wurde er dann unter Androhung schlimmer Strafen aufgefordert, gefälligst auch eine Flagge raus zuhängen, wenn die Bevölkerung dazu aufgefordert wurde. Er hat dann einen Fahrradwimpel gekauft, ihn zu den angeordneten Terminen am Gartenzaun befestigt und somit seiner Pflicht Genüge getan.

Hannes brauchte auch nie diese grässliche Uniform anziehen, er hat gar keine besessen. Sein Vater hat immer behauptet, sie hätten kein Geld dafür, sie konnten sich ja nicht einmal eine große Flagge leisten. Da hat dann eine engagierte Tante eine Uniform für Hannes gekauft, damit er die Familie nicht blamiert und die Karriere der Verwandtschaft nicht gefährdet. Die schwarze Hose hat er zur Arbeit auf dem Hof getragen und dabei zügig ruiniert, das Hemd wahrscheinlich entsorgt. Er hat es jedenfalls nicht getragen.

Helmut hatte häufig Diskussionen mit dieser Schwester, die sich als Führerin bei der Frauenschaft sehr für die Partei einsetzte.

Einmal hatte sie eine Art Modeheft mit Uniformen für Frauen mitgebracht, das sie später auf einem Vortrag vorstellen wollte. Während sie sich mit Luise unterhalten hat, nutzte Helmut einen unbeobachteten Augenblick, um allen Frauen auf den Bildern wunderschöne Schnurrbärte in die Gesichter zu malen. Als seine Schwester es bemerkte, war natürlich der Teufel los. Hannes kann sich heute noch darüber amüsieren.

1943 hatte Hannes eine größere Auseinandersetzung mit dem Hauptjungzugführer Weckwerth aus Arnswalde. Weil er zu Hause noch arbeiten musste, war er zu spät zum Dienst erschienen. Werkwerth beschimpfte ihn als Bauernschwein und wollte ihn schikanieren. Da nahm Hannes seine Forke und stach durch dessen Schuh. Anschließend hat er ihm die Finger in die Augen gebohrt und ihn verprügelt. Dafür musste er zum Schulrat und zum Kreisleiter der NSDAP.

Bei den Sportwettkämpfen mussten meistens Werner Berg, Helmut Schmidt, Lothar Sobeck und Hannes für Hitzdorf laufen, werfen und springen. Sie waren auch jedes Mal gut, haben oft gewonnen. Aber die Siegernadeln, die haben sie nicht bekommen, die haben sich die “dicken, unbeweglichen Säcke in den schönen Uniformen“ angesteckt. (Originalton Hannes!)

Nachdem das wiederholt vorgekommen war, haben sich die vier abgesprochen, und sind dann beim Laufen gestolpert oder haben den Stab verloren. Sie brauchten dann nicht mehr mitmachen.

Die Uhr für den besten Schützen beim Kleinkaliber- Schießen hat man ihm auch nicht gegeben. Da hieß es plötzlich, er wäre zu jung. Der beste Erwachsene hat die Uhr dann gekriegt. So etwas wurde eben damals alles unter der Kontrolle der Parteifuzzis durchgeführt.

Einmal sollte er nach dem Sportfest in Schwachenwalde sein Fahrrad dort stehen lassen und mit den anderen zurück marschieren, dann wieder nach Schwachenwalde laufen und sein Fahrrad holen. Hannes hat sich geweigert, sein Fahrrad dort zu lassen und hat es geschoben. Zwei Jungen sollten ihn darin hindern. Die haben Prügel bekommen und Hannes ist mit dem Rad nach Hause gefahren. Danach hat der junge Schleuder aus Schwachenwalde (Jahrgang 1927 oder 28), der irgendwie Bannführer oder so etwas war, beim nächsten Treffen zu Hannes gesagt, dass er jetzt den Befehl von oben hätte, ihn mal richtig zu drillen. Er gab Hannes einen Rucksack, der mit Steinen voll gepackt war. Bevor Hannes den Rucksack auf dem Rücken hatte, schrie er schon  "Achtung! Fliegerdeckung!", und zwar genau vor einer großen Pfütze. Hannes hat nur geantwortet, erst du, dann ich. Aber Schleuder fing an zu kommandieren. Da hat Hannes ihm den Rucksack mit den Steinen direkt auf die Füße geworfen, ist auf sein Fahrrad und weg. Das war in der Konfirmandenzeit. Hat natürlich auch richtig Ärger gegeben, aber wieder von höherer Stelle. Meistens schaltete sich dann Weckwerth ein.

Den jungen Schleuder hat Hannes nach der Wende sowohl in Anklam, als auch in Wunstorf auf den Treffen gesehen. Er hat Hannes erzählt, dass sein Vater (er war Viehhändler in Schwachenwalde und sehr engagierter Nazi) zusammen mit dem Amtsvorsteher Krüger, Emil Kraft, Gustav Ladwig und Hannes´ Onkel Major Hans Boenke von Richardshof verschleppt wurde. Diese fünf sollen auf Grund ihrer Parteitätigkeit aus der Gruppe der anderen Männer aussortiert und nach Berkenbrügge gebracht worden sein, wo man sie misshandelt, gefoltert und umgebracht haben soll. Da keiner von ihnen lebendig wieder aufgetaucht ist, bleibt es so dahin gestellt.

Sie waren aber auch nicht auf dem Transport mit den anderen Männern aus der Gegend. Herr Ferner konnte ja nach seiner Rückkehr einiges berichten.

Zum Reitersturm durfte Hannes wegen mangelhafter Führung auch nicht. Da konnte nicht einmal Major Hans Boenke helfen, der den Reitersrum geleitet hat. Daraufhin hat Hannes jegliche Beteiligung bei der HJ eingestellt, anschließend hat man ihn offiziell ausgeschlossen.

 

 

 Hannes (in einer fremden Uniform)

 

Für seine bevorstehende Lehre als Fischer bei von Brandt in Lauchstädt wurde ihm wegen des Vorfalls mit Weckwerth Berufsschulverbot erteilt. Er durfte seine Lehre aber trotzdem anfangen. Die anderen Lehrlinge mussten die Aufgaben aus der Berufsschule mitbringen und Hannes hatte dann Unterricht beim Rechnungsführer.

 

 

 

 Schloss der Fam. von Brandt in Lauchstädt. Dort hat Luise vor ihrer Hochzeit als Mamsell gearbeitet.             

 

 

Allerdings musste er sehr früh (2.8.1944) zum Arbeitsdienst.

Er war im Februar gerade erst 14 Jahre alt geworden. Eigentlich waren gerade erst die Jahrgänge 1928 und 1929 an der Reihe.

Diese Dienstverpflichtung brachte ihn an den Ostwall, zum sogenannten Schipp-Schipp-Hurra.

Am 1. August 1944 kam der Bescheid zum Arbeitsdienst. Er musste unmittelbar von seinem Lehrbetrieb aus Lauchstädt zum Einsatz, durfte nicht vorher nach Hause. Am 2. August musste er sich schon zum Einsatz melden.

 

 

 

Gutshaus Augustwalde

 

 

Der zweite große Nazi in der Gegend war Willi Fechner aus Augustwalde. Er war Hilfspolizist und Rechnungsführer auf dem Gut in Augustwalde. 

In Hitzdorf gab es einen Polenjungen, der war der „Dorffriseur“. Fast alle ließen sich von ihm bei Luhm´s auf dem Hof die Haare schneiden. Fechner hat diesen armen Jungen halb tot geprügelt, weil er ein minderwertiger Pole und wehrlos war. An die Deutschen hat er sich nicht rangetraut. Er hat allerdings immer wieder versucht, Oellermann´s wegen Wilddieberei anzuzeigen. Auch sonst hat er keine Gelegenheit ausgelassen, sich unbeliebt zu machen.

Es gab damals auch mehrere sehr aktive Nazis im Dorf. (Namen sollen hier keine genannt werden.)

Viele waren vor dem Krieg hoch verschuldet. Wer damals frühzeitig in die Partei eintrat und sich engagierte, der wurde zu besten Bedingungen umgeschuldet, teilweise sogar entschuldet. Da konnten natürlich viele nicht widerstehen, und haben dafür sogar ihre Nachbarn verraten. Ein Opfer war zum Beispiel Richard Schalow. Er war genauso wie Helmut Meyer nicht in der Partei. Als erstes wurde ihnen gegenüber der Stürmerkasten mit der Judenhetze aufgestellt. Dann hat man auf Gelegenheiten gewartet. Bei Richard Schalow wurde, wie fast überall, schwarz geschlachtet. Man hat ihn angezeigt. Es wurden zu viele Schweinefüße gefunden. Wie kann man nur so dumm sein, und zählbare Beweisstücke nicht sorgfältig vernichten. Richard musste ins Gefängnis und anschließend in eine Stafkompanie an die Front. Er hat aber überlebt. Bürgermeister Ladwig hatte noch versucht zu vermitteln, war aber machtlos und konnte nichts für ihn erreichen.

Von den Hitzdorfer Nazis kam der Ausspruch, dass im Dorf alles besser würde, wenn die drei Helmuts erst einmal weg wären. Damit waren Helmut Dräger, Helmut Heyn und Helmut Meyer gemeint, weil sie sich offen zu ihrer politischen Einstellung bekannt haben. Mit Beginn des Krieges war es dann ja auch fast so weit: Helmut Heyn wurde schon zum Angriff auf Polen eingezogen, später dann auch Helmut Dräger. Nur Helmut Meyer brauchte nicht mehr Soldat zu werden, erstens war bei Kriegsbeginn schon 50 Jahre alt, dann hatte er eine schwere Verwundung aus dem 1. Weltkrieg und seit dem Unfall mit dem Bullen waren ja auch seine Hüften kaputt.

 

1939 mussten fast alle Bauern zwei Pferde für das Militär abgeben. Es gab damals 600 bis 700 Reichsmark für ein Pferd. Helmut Meyer war der einzige Bauer im Dorf, der auch einen Wagen und zwei Geschirre, also ein komplettes Gespann, abliefern musste. Lächerliche 2000 RM hat er für alles zusammen bekommen. Außerdem hat man ihm als einzigem zwei Linkspferde weggenommen, obwohl er ja nicht der größte Bauer im Dorf war. So musste der junge August  angelernt werden.

 

Das Gespann von Helmut hat den Polenfeldzug mitgemacht, war in Frankreich und ist bis in den Kaukasus bei der Truppe gewesen. Dort mussten die Soldaten die Pferde bei ihrem Rückzug stehen lassen. Aus Hitzdorf waren etliche Männer in der gleichen Kompanie, sie waren auch mit 10 bis 12 Hitzdorfer Pferden unterwegs. Dazu gehörten unter anderem Völker, Mörke, Bartel und Heyn. Einer von ihnen hat es Hannes nach dem Krieg erzählt.

Dass die Pferde für das Militär nach Parteizugehörigkeit eingezogen wurden, war in Hitzdorf ganz deutlich zu sehen. Den Nazis wurde höchstens 1 Pferd weggenommen, egal, wie viele sie hatten. Die anderen mussten ständig abliefern. Dazu gehörten neben Helmut Meyer auch Graper und Heyn. Und bei Petznick hätten sie gern mehrere Pferde weggenommen, sind auch immer wieder zur Kontrolle gekommen, aber die hatten damals nur alte Pferde, die das Militär nicht mehr gebrauchen konnte und hatten somit einfach Glück.

Hannes hat sowohl Elli Kaufmann, als auch Erna Heyn zum Standesamt nach Schwachenwalde gefahren. Sie hatten damals ein schönes Pass-Gespann: Lotte (Braun-Stichelhaar) und Lore (Rotschimmel). Die Hochzeit muss vor dem Sommer 1943 gewesen sein, denn genau vor der Ernte wurde Helmut Meyer wieder ein gutes Wagenpferd vom Militär weggenommen. Er musste Lotte abgeben, die Nazi-treuen Bauern im Dorf durften ihre Pferde behalten.

 

 

Paul Lück, Mariechen, Luise, Luis und Helmut Meyer bei der Ernte,

die Pferde sind von links August, Liese und Lotte

 

So waren nur noch 3 Wagenpferde zur Ernte vorhanden, es gab also kein zweites Gespann. Für ein neues Pferd brauchte man damals eine Dringlichkeitsbescheinigung vom Amt, die Helmut natürlich nicht bekommen hat. Sein Einspruch wurde hämisch mit den Worten abgelehnt, er solle doch mit Ochsen arbeiten. Und das, obwohl alle von seinem schweren Unfall 1936 mit dem Bullen wussten, den er nach monatelangem Krankenhausaufenthalt nur knapp überlebt hat. Aber die Herrschaften hatten seine Verbindungen und seine Weitsicht unterschätzt.

Nun waren also Lore und August ein Gespann, und schon 2 Tage später ging Max mit einem eineinhalb Jahre alten Pferd an der Seite vor dem Wagen. Man hat gewartet, bis das Pferd einigermaßen eingefahren war, dann standen die Herren wieder auf dem Hof und wollten das Pferd einziehen. Welches Pferd ??

Es war kein junges Pferd mehr auf dem Hof. Helmut hatte es schnell wieder in Sicherheit gebracht.

Hannes weiß nicht, wer ihn damals gewarnt hat, aber die Familie wusste genau, wer Helmut angezeigt hatte.

Helmut hatte ja immer seine jungen Pferde im Warthegau, und daher fehlte den Parteifuzzis der Durchblick über seinen Bestand. Zwischenstation war Rohrsdorf, von dort konnte er sie bei Bedarf schnell nach Hitzdorf holen.

 

 

Rohrsdorf

 

Es ging dann über Reiherort und über Nebenwege, damit der betreffende Bauer im Dorf nichts merkte. Der hatte ihn nämlich schon einmal verpfiffen, die Militärkommission war damals sehr schnell wieder auf dem Hof, und man hat Helmut unterstellt, er hätte bei der gerade vorangegangenen Besichtigung Pferde unterschlagen. Man wollte ihn dafür sogar einsperren, es gab aber keine Beweise, nur die Anschuldigung eines Bauern aus seiner Nachbarschaft. Und nachdem das Militär Helmut auch schon junge Pferde weggenommen hatte, um sie angeblich selbst aufzuziehen, war er ja sehr vorsichtig geworden und hatte keine mehr auf dem eigenen Hof in Hitzdorf.

Der Ortsbauernführer war auch für die Einschätzung der Ernteerträge zuständig, nach der das Ablieferungssoll festgesetzt wurde. Dabei hat er Helmut Meyer mit 44 Zentner Weizen pro Tonne eingestuft. Der absolute Wahnsinn, ganz deutlich reine Schikane und der blanke Neid.

Er selbst hatte kein Land, das die Bodenqualität zum Weizenanbau besaß. Und Weizen wurde am besten bezahlt. Weizenanbau war in Hitzdorf  selten, es gab also kaum eine Chance für Helmut, auf andere Erträge im Dorf zu verweisen. Aber da die umliegenden Güter diese Erträge bei höherer Bodenpunktzahl nicht annähernd erreichten, wurden die Schätzungen des Ortsbauernführers korrigiert. Der durchschnittliche Weizenertrag lag damals je nach Bodengüte zwischen 10 und 15 Zentnern pro Morgen.

 

Herr Raatz von der Mühle am Weg zwischen Neuklücken und Kleeberg hatte auch seine Probleme mit diesen Herren. Ihm war 1941 zu Ostern die Mühle abgebrannt. Da auch er nicht in der Partei war, wurde ihm sofort Brandstiftung unterstellt, er wurde verhaftet und verurteilt. Frau Raatz blieb mit ihrer Tochter Hilde allein zurück. Gerda Raatz war damals nicht zu Hause und die Söhne waren schon Soldaten. Helmut Meyer hat Hilfe für Frau Raatz organisiert und dafür gesorgt, dass die landwirtschaftlichen Arbeiten erledigt wurden, damit sie Geld verdienen konnte. Außerdem hat er das Deckgeld für die Stute bezahlt und das Fohlen gekauft. Er hat großen Ärger durch einige Nazi-Herren bekommen.

 

Schuster Berg hatte ähnliche Probleme wie der Müller Raatz. Obwohl er Invalide war und ein Holzbein hatte, hat man ihm auch nach dem Brand unterstellt, er hätte Brandstiftung begangen. Auch er war nicht in der Partei.

Aber er war auch sehr hoch verschuldet.

Die Dorfgemeinschaft wollte ihm beim Aufbau helfen. Über die Gemeinde hatte man Dachbalken besorgt, und das Reet sollte er kostenlos von Helmut Meyer bekommen. Alles war geplant und vorbereitet. Es ist jedoch nicht soweit gekommen. Die Nazis haben ihn ins Gefängnis gesteckt und das Haus wurde nie wieder aufgebaut.

Es gibt aber auch eine lustige Geschichte von Schuster Berg. Wenn die Frauen aus den Dorf auf die Reparatur der Schuhe warten wollten, und dann anfingen zu drängeln, hat er sich immer seine Schusterahle ins Holzbein gebohrt und dabei aufgeschrien und gejammert. Dann sind die Frauen jedes Mal rausgelaufen, und er konnte in aller Ruhe seine Arbeit machen.

 

Nach dem Einmarsch der Russen sind dann die Listen der Parteimitglieder und wohl noch weitere Aufzeichnungen bei Lehrer Hacker gefunden worden. Keiner weiß, warum er sie weder mitgenommen, noch vernichtet hat. Auf alle Fälle haben die Russen diese Listen in die Hände gekriegt, und das war für einige Bewohner nicht gut.

Die Russen haben sich dann wahllos einen Jungen aus dem Dorf gegriffen, und er musste ihnen die Namen der zusammengetriebenen Männer sagen. Es hätte jeden aus der Gruppe treffen können. Er konnte nicht lügen, er hatte keine andere Wahl. Die Russen hätten seine Aussagen ja auch durch Ausweise kontrollieren können. Er hat also niemanden verraten oder angeschwärzt, er musste nur die Personen identifizieren. Es hat aber damals, und auch noch später, viel Gemunkel über diesen Vorfall gegeben. Erwin selbst ist auch von den Russen verschleppt worden, sein Vater Otto wurde mit den Hitzdorfer Männern zusammen nach Russland gebracht. Sein Opa Hermann war bei den fünf Hitzdorfer Männern, zu denen auch mein Opa Helmut gehörte (außerdem Wilhelm Luckow, Fritz Völker und Hermann Schröder), die in Schwachenwalde aus dem Keller geholt wurden und von der Gruppe der anderen Hitzdorfer Männer getrennt wurden. Keiner von ihnen ist lebendig nach Hause gekommen.

 

 

 

 

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